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Nicht zu reparieren? Gibt es nicht.

Medzid Veseli klappt ein großes Flightcase auf, frisch eingetroffen aus Chile. Darin liegen, Reihe um Reihe, sorgfältig verpackte Schätze. Alte U 47 und U 67, noch aus den ersten Baureihen, teilweise mit erheblichen Gebrauchsspuren. Behutsam hebt der Serviceleiter ein sichtlich angeschlagenes U 47 aus dem Schutzschaum, wendet es in den Händen und nickt. Warenwert insgesamt: rund 96.000 Dollar. »Kriegen wir wieder hin«, sagt Veseli, und die Kollegen lächeln.

Ein U 47 vor der Wartung...

…und nach der Wartung.

Das sind sie, ihre Schätze. Keine der Einsendungen sind für sie »Ware« oder »Produkte«. Es sind Persönlichkeiten. »Das reparieren wir nicht« gäbe es nicht, sagt Veseli. Das habe man bei Neumann noch nie gesagt, nicht in 90 Jahren Firmengeschichte. Sein Team in Berlin und die Servicevertretungen in aller Welt haben noch jedes Mikrofon wieder ins Leben geholt. Tatsächlich ist die Bandbreite der Wünsche und Herausforderungen enorm: Viele Mikrofone kommen zur sanften Wartung, andere als schwere Pflegefälle. Die Membran zerfressen, die Elektronik gebrochen, der Körper zerschlagen: »Wir erleben hier die ganze Bandbreite. Und wir kriegen auch die schwersten Fälle wieder bereit für den Einsatz.« Selbst uralten U 47 gibt das Team ihren alten Glanz zurück.

Membran nach Reinigungsversuch des Kunden.

Reparatureinsendung eines kompletten Studiobestandes.

Einen Wunsch allerdings schlägt Veseli seinen Kunden ab. »Wir tunen nicht. Auch nicht auf Kundenwunsch. Wir stellen den Originalzustand her. Nicht mehr – und niemals weniger.« Spricht’s und legt das alte U 67 vorsichtig zurück an seinen Platz im Flightcase: »Zu euch kommen wir bald.«