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3D Immersive Audio mit Neumann Studiomonitoren im Chamäleon Theater Berlin

Kein anderer Ort in Berlin erscheint geeigneter, eine neue Dimension der audiovisuellen Showinszenierung zu demonstrieren: Das Chamäleon Theater im Herzen der Stadt. Hier schlägt der Puls des "Neuen Zirkus", hier lassen die Schrittmacher und erfolgreichsten Kreativen der internationalen Zirkusszene alle nur denkbaren menschlichen Sinneswahrnehmungen zu immer neuen Kunstformen verschmelzen.

So eröffnet sich auch in den Produktionen des neuen Jahres - "Parade" und "Finale" - in der akustischen Ebene eine neue Dimension. In Kooperation mit dem renommierten Berliner Pro-Audio-Unternehmen Neumann und der Firma Sennheiser wurde ein 3D-Soundsystem installiert, das den Gästen nicht nur das Gefühl gibt, Musik zu hören, sondern selbst ein Teil der Klangwelt zu werden.

Wolfgang Fraissinet, Geschäftsführer von Neumann.Berlin, der bereits am Sounddesign der Chamäleon-Produktion "Underart - Ode to a Crash Landing" beteiligt war: "Bisherige Wiedergabeverfahren - Mono, Stereo, in den 1970ern die Quadrofonie -, aber auch aktuelle 5.1 und 7.1 Surround-Setups, bilden Klangquellen in nur zwei Dimensionen ab. Die Lautsprecher stehen zwar links, rechts, mittig, seitlich und hinten, aber immer auf Ohrhöhe des Zuhörers. 3D Immersive Audio erlaubt durch zusätzliche, weiter oben positionierte Lautsprecher eine wesentlich realistischere Wahrnehmung des originalen Klangbildes."
"Denken Sie an Aufnahmen eines Konzertes in einem großen Saal. Schallreflexionen zum Beispiel an der Decke des Saales spielen eine enorm wichtige Rolle in der akustischen Wahrnehmung dieses Raumes; sie prägen seinen ‚akustischen Fingerabdruck'. Mit der neuen 3D-Audio-Technik können diese Reflexionen wirklich aus der Richtung wiedergegeben werden, aus der sie ursprünglich kamen: von oben, von der Decke. Des Weiteren ist es möglich, schon während der Aufnahme sogenannte Audio-Objekte zu generieren, die nicht fest in einem Surround-Klangbild verankert sind, sondern auch noch bei der Wiedergabe neu positioniert werden können, so wie es sich der Sounddesigner gedacht hat, unabhängig von der tatsächlichen Position der Lautsprecher im Abhörraum."

Insgesamt sind 24 Neumann Monitorlautsprecher unterschiedlicher Größen und Subwoofer zur Erweiterung der Basswiedergabe auf zwei Ebenen im Saal installiert. Im unteren Bereich befindet sich quasi eine 5.1. Surround-Anordnung mit 5 Subwoofern, weiter oben sind 8 Monitore für die Wiedergabe der dritten Sounddimension montiert. Des Weiteren kommen 6 Nahfeldmonitore für die Beschallung der Balkone zum Einsatz.

KH 420 am Bühnenrand, Front Links

2x KH 420 an der Saalrückwand

KH 310 als Höhenlautsprecher am Deckentruss

Separate Beschallung der Balkone mit KH 120 am Deckentruss

Wolfgang Fraissinet: „Der Soundtrack ist mittlerweile weit mehr als eine charmante Begleitung artistischer Höchstleistungen. Er ist ein zentraler, gleichwertiger Teil der Performance. Also braucht es auch akustische Höchstleistungen, um der gesamten Inszenierung gerecht zu werden und ein wirklich berührendes Gesamterlebnis zu schaffen, in das der Besucher mit allen Sinnen eintauchen kann."

Interview mit dem verantwortlichen Technischen Leiter, Andreas Schwalbe

Mittlerweile haben Sie im Chamäleon Theater vier Produktionen mit dem neuen Soundsystem gefahren. Wo haben Sie die Möglichkeiten des Immersive Audio besonders intensiv genutzt?

Am intensivsten haben wir das neue Soundsystem bisher in dem Stück „Underart" genutzt - mit dieser Produktion hatten wir das Immersive Audio damals eingeweiht.

Gab es an bestimmten Stellen besonderes Feedback aus dem Publikum oder von Berufskollegen? Können Sie sich an besondere „Kuriositäten" erinnern?

Das Feedback war sehr positiv. An besondere Kuriositäten könnte ich mich jetzt nicht erinnern, aber einen lustigen Moment gab es doch: Ca. 2 Monate nach der offiziellen Premiere von „Underart" haben wir auf einer anderen Veranstaltung zwei Premierengäste wieder getroffen. Sie sahen uns an und meinten: „Na da haben Sie ja mal wieder was angerichtet!". Wir waren schon leicht verschreckt, aber dann erklärten sie, dass sie nach dem Sounderlebnis in unserem Haus kein anderes Theater mehr richtig genießen können, weil bei uns der Sound einfach so viel besser klingt. Mit so einem Feedback kann ich gut leben.  

Gab es am Anfang Umstellungsschwierigkeiten?

Die Umstellung selbst lief relativ problemlos - was die Sache schwierig gemacht hat, war, dass es damals noch keine Erfahrungswerte über den Einsatz von Studioboxen in der Theaterbeschallung gab.

Wie haben Sie die zusätzlichen Ausspielkanäle realisiert?

Die zusätzlichen Ausspielkanäle haben wir durch Ableton Live und Q-Lab der Firma „Figure 53" realisiert. Dabei arbeiten wir fast ausschließlich mit einem Dante Netzwerk um die Audiosignale zu verteilen.

Haben Sie Unterschiede zwischen den klassischen PA-Lautsprechern und der Verwendung von den Neumann Studio-Monitored in Ihrem Hause feststellen können?

Die Kombination von konventioneller Beschallungstechnik mit Studiomonitoren haben dem Sounddesigner ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Gerade kleine subtile Sounds, Geräusche oder Instrumente werden kristallklar abgebildet und setzen sich ohne Pegelerhöhung fantastisch durch - viel klarer als bei herkömmlichen PA-Lautsprechern.

Für einen Regisseur oder Sounddesigner bedeutet das weitere Ausdrucksmöglichkeiten: Alle Zuspieler einer Produktion können liebevoll durch besondere Arrangements im Raum verortet werden. Playbacks können auf bis zu 12 Spuren erweitert werden. Dieses Konzept des Studioabhörens für die Livebeschallung eines Theaters einzusetzen war eine riesige Bereicherung für das Haus, die Produktion, für Soundtechniker und Komponisten - und ein absolut beeindruckendes Hörerlebnis für unsere Gäste.

Fotos:
Innenraum: Kevin Kosmalla
Fassade: Jean-Paul Raabe
Alle anderen: Georg Neumann GmbH