Der perfekte Sound für Shawn Mendes: Der FOH Engineer Tom Wood entscheidet sich für Neumann-Monitoring.

Tom Woods beruflicher Werdegang ist beeindruckend. Der Live Sound Mix Engineer aus Toronto tourte mit so bekannten Künstlern wie Florence and the Machine, Billy Corgan, Julia Michaels und Liam Payne, um nur einige wenige zu nennen. Und doch Tom Wood ist erst in seinen Zwanzigern und damit fast so jung wie sein Hauptauftraggeber, Shawn Mendes, der binnen weniger Jahre vom musikalischen Wunderkind zum Superstar avancierte.

Geboren und aufgewachsen ist Tom Wood in den Midlands, doch bereits mit 18 verließ er Großbritannien, fest entschlossen sich in Kanada zum FOH Engineer ausbilden zu lassen. Offenbar wusste Tom Wood immer schon ganz genau, was er wollte! Wir sprachen mit ihm über seine Arbeit mit Shawn Mendes und wie er mit Neumann-Monitoring seinen Workflow verbessern konnte.

Tom, wie lange arbeitest du schon mit Shawn Mendes, und was macht diese Zusammenarbeit so besonders?

Mit Shawn arbeite ich bereits seit fünf Jahren. Wir werden immer eine besondere Beziehung haben, weil wir beide noch so jung waren, als wir anfingen. Damals war Shawn gerade mal 17! Wir konnten uns immer völlig frei austauschen, wie wir die Show weiter verbessern können. Und so ist es glücklicherweise bis heute geblieben. Wir reden oft über die Show vom letzten Abend und wie wir alle noch besser werden können. Wir haben eine großartige Arbeitsatmosphäre.

Wie wurdest du FOH Engineer, und was wäre dein Rat an junge Leute, die eine Karriere als Live Sound Mixer anstreben?

Zu allererst solltest du dir sehr sicher sein, dass es der richtige Beruf für dich ist. Ich habe viele Leute mit Potenzial gesehen, die nach einem oder zwei Jahren Studium feststellen mussten, dass dieser Lifestyle nichts für sie ist. Es kann sehr hart sein, so lange von zu Hause weg zu sein, und es kann noch schwieriger werden, sich einen entsprechenden Bekanntheitsgrad zu erarbeiten, um überhaupt für eine Tour in Betracht gezogen zu werden.

In meinem Fall war es so, dass ein Studio in meiner Umgebung einen zehnwöchigen Kurs in Sound & Recording anbot. Ich habe mich angemeldet und studierte unter dem Engineer und Ausbilder Den Hands, der großen Einfluss auf meinen Karriereverlauf hatte. Nach Ende des Kurses habe ich mich bemüht, mit den anderen Teilnehmern in Kontakt zu bleiben. Die meisten waren viel älter als ich und arbeiteten bereits an ihren eigenen Musikprojekten. Ich beschloss, die nächste Stufe in meiner Ausbildung anzugehen und belegte mit 16 am College einen zweijährigen Kurs in Musiktechnologie. In meiner Freizeit arbeitete ich – oft umsonst – mit anderen Engineers, die ich getroffen hatte. Die letzten Jahre als Teenager habe ich außer Essen und Schlafen praktisch nichts gemacht außer Audio. Meine Eltern sind fast wahnsinnig geworden, und völlig zu Recht! Von neun Uhr morgens bis fünf Uhr abends war ich am College, und anschließend ging ich geradewegs ins Aufnahmestudio, bis in die frühen Morgenstunden. An Wochenenden habe ich jeden Live Gig angenommen, der einen Tontechniker gebrauchen konnte. Sonntags habe ich Hausaufgaben nachgeholt und ausgeschlafen ... es sei denn, im Studio passierte etwas Interessanteres!

Mit 18 beschloss ich, dass Nordamerika der wohl beste Ort für einen angehenden FOH Engineer wäre, der auf Tour gehen möchte. Also überquerte ich den Atlantik, um am Metalworks Institute in Mississauga, Ontario, Show Production Management zu studieren. Dabei verliebte ich mich so sehr in meine neue Umgebung, dass ich schon nach wenigen Monaten beschloss, dauerhaft zu bleiben. Durch ein wenig unbezahlte Arbeit und etwas Networking kam meine Karriere schnell in Schwung, was das Touren angeht, und ich begann mit Künstlern wie K-OS und Dragonette durch Nordamerika zu reisen. Glücklicherweise hielt das Momentum an, und nach mehreren Tourneen mit Künstlern von mittlerem Bekannheitsgrad wurde ich für den Shawn-Mendes-Job empfohlen.

Wie sieht dein Tagesablauf aus? Für welche Aufgaben bist du als FOH Engineer verantwortlich?

Mixing! Ich weiß, das ist die naheliegende Antwort, aber das ist eben meine große Aufgabe. Üblicherweise fange ich gegen 11 Uhr morgens an, das FOH-Setup aufzubauen. Die ortsansässige Crew hilft mir, mein Mischpult auszupacken und mein Outboard hochzubringen, und dann beginne ich alles zu verkabeln. An einem guten Tag bin ich damit gegen ein Uhr Mittag fertig und beginne, mit unserem Systems Engineer Jeff Wuerth das Time Alignment und Tuning des PA-Systems für die jeweilige Location vorzunehmen. Dazu verwende ich eine Aufnahme der letzten Show und starte einen „virtuellen Soundcheck“, um das System für den Raum zu optimieren und Änderungen am Mix vorzunehmen, die ich für notwendig halte. Bis drei Uhr am Nachmittag sind wir damit fertig, und ich widme mich gemeinsam mit dem Monitor Engineer und unserem Backline Team dem Line Check. Um halb vier beginnt der Soundcheck mit der Band. Shawn geht üblicherweise ein, zwei Songs durch, aber, da wir auf der Tour schon so viele Shows hinter uns haben, läuft das ziemlich locker ab, und die Jungs jammen lieber irgendwas, das Spaß macht, als zum hundertsten Mal denselben Song zu spielen. Nach dem Soundcheck haben wir etwas Leerlauf bis zum Abendessen und schließlich der Show.

Was tust du, um Shawn so klingen zu lassen, wie er klingt? Irgendwelche Tricks?

Wir müssen da nicht das Rad neu erfinden. Ich habe das Glück, dass Shawn eine fantastische und motivierte Band hat, die sich auch Gedanken um den Sound macht. Das Gleiche gilt absolut auch für Shawn selbst, der sehr audiophil veranlagt ist. Alles Processing läuft über meine Avid S6L und meinen Waves Server. Die einzige Ausnahmen sind ein Paar Avalon 737 für Shawns Gesang und der neue SSL Fusion, der für ein bisschen Magie auf dem Music-Only-Bus sorgt (d.h. auf einem Gruppenkanal, der alle Musikinstrumente zusammenfasst, ohne die Gesangskanäle). Da die Klangquellen bereits gut klingen, kann ich eine Menge Sachen aufdrehen, sie hier und da ein bisschen in Form bringen, und ansonsten lasse ich die Musik ihren Lauf nehmen. Das ist sehr erfrischend. Shawn liebt Delay-Effekte auf den Vocals, die ich jeden Abend von Hand hinzumische. Er hat eine unglaublich konsistente und kraftvolle Stimme, die sich traumhaft mischen lässt. Du kannst sie wirklich in einen Kompressor reinfahren, wenn dir danach ist, und sie hält sich trotzdem beständig. Wenn Meat Loaf, Pavarotti und Michael Bolton sich zusammentäten, um mittels Gentechnik einen Sänger zu zeugen, wäre Shawn wahrscheinlich immer noch besser.

Wie du uns verraten hast, sind Neumann Studiomonitore in deinem Tourgepäck mit Shawn. Was genau machst du damit?

Die KH 310 sind mein Anker. An verschiedenen Stellen der Pre-Production und des Tourneeablaufs haben sie eine entscheidende Rolle eingenommen. Während der Proben habe ich, in Abwesenheit einer PA, die 310er verwendet, um meinen ersten Mix aufzubauen. Als dann die Tour losging, habe ich sie als Referenzmonitor verwendet. Da wir jeden Tag in einem anderen Raum sind, ist es von entscheidender Bedeutung, ein Medium zu haben, auf das du dich verlassen kannst, um sicherzustellen, das der Mix auf einem guten Weg ist. In einem schlechten Raum kann es leicht passieren, dass du Elemente im Mix veränderst, wenn du eigentlich am PA System arbeiten solltest. Die KH 310 erlauben mir, wirklich die Kontrolle zu übernehmen und diesbezüglich gute Entscheidungen zu treffen. Außerdem: Wenn Shawn an noch unveröffentlichtem Material arbeitet, das irgendwann in die Show eingearbeitet wird, kann ich unmöglich das PA System verwenden, um am Mix zu arbeiten. In diesem Szenario kann ich die KH 310 als meine persönlichen Nahfeldmonitore verwenden und vorausarbeiten, ohne meinen Job zu verlieren!

Wie bist Du auf Neumann aufmerksam geworden? Was hat dich besonders überzeugt?

Es scheint mir kaum vorstellbar, dass jemand, der sich ernsthaft für Audiotechnik interessiert, nicht frühzeitig auf Neumann aufmerksam wird! Was mich betrifft, so wurde mir im Alter von 16 Jahren das Neumann U 87 als der Industriestandard in Sachen Gesangsmikrofon vorgeführt. Natürlich gibt es viele weitere Anwendungen, in denen ich dieses Mikrofon kennen und lieben lernen durfte. Akustikgitarre in Verbindung mit einem KM 184 kommt mir sofort in den Sinn. Als Teil meiner ersten Ausbildung in Audiotechnik besprachen wir ausführlich, warum man für verschiedene Anwendungen ein bestimmtes Mikrofon bevorzugt. Der Frequenzgang ist ein entscheidender Aspekt, wenn es darum geht, ein Mikrofon auszuwählen, und ich habe gleich verstanden, warum der wunderbar ebene Frequenzgang des U 87 es so universell einsetzbar macht. Es hat nur ganz leichte Anhebungen zwischen 5 kHz und 10 kHz – perfekt.

Das KM 184 ist lange schon mein bevorzugtes Mikrofon für Hi-Hat/Percussion. Es klingt extrem angenehm und überträgt die Anteile der Becken, die wirklich wichtig sind, ohne dabei harsch zu klingen. Es kann hohe Schallpegel locker wegstecken. Das 184 setze ich aktuell an der Hi-Hat, der Percussion und dem Ride-Becken ein. Tatsächlich wüsste ich nichts, was die Glocke des Ride-Beckens besser herausarbeitet!

Warum hast du die KH 310 Studiomonitore ausgewählt?

Die Wahrheit ist, sie haben mich ausgewählt! Bis Anfang dieses Jahres gab es für mich kein besonderes Lautsprechermodell, an dem ich loyal festhielt. Ich hatte Erfahrungen mit vielen anderen Produkten gesammelt, aber ich liebe es, Neues auszuprobieren. Als ich bei unserem Audio-Lieferanten, Clair, nachfragte, was verfügbar wäre, haben sie den KH 310 vorgeschlagen. Ich habe noch NIE einen anderen Monitorlautsprecher gehört, der so ehrlich war, aber gleichzeitig so angenehm. Wenn ich auf Monitoren der Konkurrenz einen Mix aufbaue, werde ich misstrauisch, weil sie ein bisschen zu gut klingen, um der Wahrheit zu entsprechen. Umgekehrt will ich schon ein bisschen Magie von meinen Lautsprechern, wenn unser Musical Director vorbeikommt, um mal reinzuhören.

Beim Abhören im Nahfeld verpasst man auch nicht so leicht den begehrten Sweet Spot des Stereobilds. Das ist wichtig, wenn man in einer dynamischen, sich ständig verändernden Umgebung arbeitet, die Live Sound nun einmal ist. Derzeit verwende ich die KH 310 ohne einen Sub, was glücklicherweise keine große Sache ist. Die Tieftonwiedergabe ist sehr ehrlich und gibt mir dennoch genug Information, um zu erkennen, was über das PA-System gut funktionieren wird. Auch ihre physische Erscheinung macht sie ungemein praktisch für den Live-Sound-Markt.

Worin siehst du die Hauptvorteile dieser Monitorboxen in deiner täglichen Arbeit?

Wie bereits gesagt, sehe ich sie als meinen Anker. Ich muss mich nie fragen, warum etwas nicht so klingt, wie ich möchte. Wenn ich beispielsweise über die PA eine unangenehme Frequenz in der Gitarre höre, der Mix aber über meine Monitore klasse klingt, dann weiß ich, dass ich mich um die PA im Raum kümmern sollte, und nicht um meinen Mix.
Es ist außerdem angenehm, dem Rest der Non-Audio-Crew die hohen Schallpegel zu ersparen, die entstehen, wenn man mehrmals am Tag ein Line Array anschaltet. Wenn ich etwas von der Show am Vorabend überprüfen möchte, während die Rigger am Hallendach zu Werke gehen, kann ich für mich arbeiten, ohne deren Sicherheit zu gefährden.

Hattest du bereits Gelegenheit, den neuen NDH 20 Kopfhörer von Neumann auszuprobieren?

Ähnlich wie die KH 310 ist auch der NDH 20 sehr ehrlich in den unteren und mittleren Frequenzen. Besonders beeindruckend ist das Gefühl der Raumdarstellung. Es ist ein schönes Klangbild, das sich für mich anfühlt, als würde der Kopfhörer atmen.

Nachdem ich viele andere sehr hochwertige Referenzkopfhörer verwendet habe, kann ich sagen dass der NDH 20 der komfortabelste und angenehmste über einen längeren Zeitraum ist. Ich weiß nicht, ob ich mich darauf beschränken kann, sie nur zum Arbeiten zu tragen!

Allen, die das Glück haben ihn bald ausprobieren zu können, möchte ich „Magic“ von Mick Smiley empfehlen, um sich von der Raumdarstellung zu überzeugen, die ich eben ansprach. „DLZ“ von TV On The Radio eignet sich wunderbar, um zu zeigen, wie ein sehr dichter Mix über das gesamte Spektrum gleichmäßig dargestellt wird ... und zum Testen des Langzeit-Tragekomforts empfehle ich „4’33“ von John Cage!